Antrag: Flexibilisierung von Zeitkarten und Abos

Der FDP Kreisverband Fürstenfeldbruck fordert beim nächsten Bezirksparteitag der FDP Oberbayern eine Flexibilisierung von Zeitkarten und Abos:

Die FDP Oberbayern setzt sich in den zuständigen Gremien dafür ein, dass in den Tarifstrukturen im öffentlichen Personennahverkehr eine Anpassung der Zeitkarten- und Abo-Angebote umgesetzt wird, um Lösungen mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten für Pendler mit zukünftig vermehrtem Home-Office-Einsatz und Teilzeit zu ermöglichen. Dabei sollen die bereits vorhandenen flexiblen Startmöglichkeiten für Zeitkarten um Angebote mit flexibler Nutzungsdauer und frei wählbarer Nutzungsintensität erhöht werden. Dies kann durch Zeitkarten, die eine festgelegte Anzahl an Nutzungstagen in einem bestimmten Zeitraum vorsehen, welche vom Kunden nach eigenem Bedarf „verbraucht“ werden können, realisiert werden.

Begründung:

Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt führte bereits vor der aktuellen Corona-Situation zu Veränderungen in den Bereichen Arbeitszeit und Einsatzort. Insbesondere lässt sich bereits seit einigen Jahren ein stetig ansteigender Einsatz von Mitarbeiter im „Home-Office“ bzw. im mobilen Arbeitseinsatz feststellen. Diese Veränderungen werden einerseits durch den zunehmenden Einsatz digitaler Technologien und Kommunikationsmittel ermöglicht, andererseits reagieren die Unternehmen auf den verstärkten Wunsch Ihrer Arbeitgeber von Zuhause aus tätig zu sein. Im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einer gelebten Chancengleichheit für Eltern mit Kindern, insbesondere Alleinerziehenden, gegenüber kinderlosen Arbeitnehmern begrüßen wir diese Entwicklung. Außerdem vermindert der „Home-Office-Einsatz“ den Bedarf an Mobilität und hat damit einen direkten positiven Effekt im Sinne des Klimaschutzes.

In den vergangenen Monaten wurden viele Arbeitnehmer Corona-bedingt und damit zwangsläufig „ins Home-Office geschickt“. Die Erfahrungen der letzten Monate führten bei vielen Unternehmen zu der Erkenntnis, dass der mobile Einsatz vieler Mitarbeiter nicht nur möglich ist, sondern auch einen positiven auf Zufriedenheit, Effektivität und Motivation haben kann. Damit steigt die Bereitschaft der Unternehmen auch in Zukunft, nach Überwinden der Coronakrise, das Arbeiten „aus dem Home-Office“ zuzulassen und zu ermöglichen. Aus diesem Grund können wir uns auch in Zukunft auf weniger Pendeln und damit auf eine Entlastung des Straßenverkehrs und des ÖPNV einstellen. Dabei ist nicht nur mit insgesamt weniger Pendeln, sondern auch mit einer Entzerrung des Berufsverkehrs über den gesamten Tag zu rechnen, da auch die Arbeitszeiten zunehmend flexibler und von den Mitarbeitern eigenverantwortlich gestaltbar werden.

Es wird jedoch trotz Home-Office aus inhaltlichen, wie auch aus sozialen Gründen, die Anwesenheit der Arbeitnehmer im Unternehmen sporadisch bzw. an manchen Tagen gewünscht und erforderlich sein. Dies kann zu verschiedenen Modellen führen, etwa mit jeweils den gleichen Wochentagen im Homeoffice und am bisherigen Arbeitsplatz. Es kann aber auch zu einer individuell gestaltbaren, bedarfsgerechten und flexiblen Verteilung von Präsenz- und Home-Office-Tagen kommen. In jedem Fall wird die Zeitkarte nicht mehr im gesamten Gültigkeitszeitraum genutzt. Die bisherigen Zeitkartenangebote des MVV sind für eine derartige Situation nicht ausgelegt. Zwar sind flexible Startmöglichkeiten einer Zeitkarte möglich, diese ist dann jedoch an allen darauffolgenden Tagen des gewünschten Zeitraums gültig. Damit wird die Nutzung des ÖPNV an nur ausgewählten Tagen mit diesen Zeitkarten teuer und unrentabel und es besteht die Gefahr, dass auf die Nutzung des ÖPNV ganz verzichtet wird und die notwendige Flexibilität durch das Pendeln mit dem privaten PKW erreicht wird.

Die neuen Zeitkartentarife müssen eine höhere Flexibilität im Hinblick auf die einzelnen Nutzungstage und damit auch einen daran angepassten Preis aufweisen. So lässt sich z.B. eine Monatskarte denken, bei der pro Monat eine bestimmte Anzahl an Nutzungstagen (wir kennen dies aus dem Bereich der Liftkarten, wo z.B. eine Karte „5 aus 7“ angeboten wird) „gekauft“ werden oder bei den einzelnen Wochentagen fest ausgewählt werden können. Ein ähnliches Prinzip ließe sich auch auf die Jahreskarte übertragen, die dann z.B. für „50 aus 365“ angeboten wird.

Die Realisierung derartiger Zeitkartenmodelle ist vor allem in Verbindung mit einem digitalen Ticket per App sehr gut realisierbar. So wäre es dem Fahrgast an jedem Tag möglich, vor Fahrtantritt den aktuellen Tag als „Nutzungstag“ festzulegen und ihn damit zu entwerten.

Eine erste grobe Recherche zu bestehenden flexibleren Zeitkarten- und Abo-Modell in anderen Verkehrsbetrieben und -verbünden zeigt, dass eine stärkere Flexibilisierung dort bereits mit einem flexiblem Starttermin für Zeitkarten erreicht wird. Einige Beispiele orientieren sich an dem Modell der Bahncard, welche durch Zahlung einer Grundgebühr für einen bestimmten Zeitraum eine Rabattierung der „normalen“ Fahrkarten zur Folge hat.

Wir sind der Meinung, dass mit dem vorliegenden Vorschlag eine wirkliche und größtmögliche Flexibilisierung erreicht werden kann, die bisherige ÖPNV-Pendler auch in Zukunft nicht von der Nutzung von Bussen und Bahnen abhalten wird und zudem das Potential hat, zusätzliche Pendler für die Nutzung des ÖPNV zu gewinnen.

 


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