München 2040: Wachstumsstrategie oder Mobilitätschaos?

Von Melanie Tietgen

Anfang September diskutierte die FDP im Daxerhof in Olching mit dem Verkehrsexperten Sven Gossel und zahlreichen Gästen zum Thema „München 2040: Wachstumsstrategie oder Mobilitätschaos?“

Melanie Tietgen

Melanie Tietgen

Sven Gossel, Leiter des FDP Forums Verkehr der FDP Oberbayern und Mitglied im Bundesfachausschuss Verkehr der FDP, erklärte anschaulich, welchen Herausforderungen sich der Verkehr in und um München stellen muss. Dabei wurde dem interessierten Zuhörer auch bewusst, weshalb es täglich Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr und kilometerlange Staus gibt. So führte Herr Gossel z.B. aus, dass die Signaltechnikfür den Schienenfernverkehr zu 98 % aus den 1930er Jahren stammt, und die Infrastruktur dazu noch von König Ludwig II geplant und in ihrer Streckenführung kaum verändert wurde – sieht man einmal vom Netz der MVG ab. Das Problem hierbei unter anderem: Bayern hatte zu Zeiten des Märchenkönigs viele Kontakte im Westen, kaum aber welche im Osten, weshalb es ein gut ausgebautes Schienennetz in den Westen gibt, jedoch kaum Verbindungen in den Osten (von München und dem Hauptbahnhof aus gesehen).

Hinzu kommt, dass Bahnfahren – gerade auf weiten Strecken – verhältnismäßig teurer ist als Fliegen. Auch dies hat seine Gründe: Während ein Airbus zum Beispiel zwischen München und Hamburg mehrmals täglich pendelt, und so einen bestimmten Sitzplatz mehrmals am Tag vergeben kann, schafft ein ICE diese Strecke täglich einmal hin und zurück, so dass ein Platz nur einmal am Tag verkauft wird. Dabei kostet ein Teilzug eines ICE um die 30 Millionen Euro in der Anschaffung, ein Airbus A320, der dieselbe Menge Passagiere befördert, ist mit ca. 40 Millionen Euro fast zum gleichen Preis zu haben.

Man geht davon aus, dass ein mit dem Zug gefahrener Kilometer der deutschen Bahn um die 11 Cent pro Kilometer Gewinn bringt. Die gleiche Strecke – geflogen – bringt der Lufthansa jedoch um die 20 Cent Gewinn. So ist es nicht erstaunlich, dass Fliegen von vielen gegenüber dem Bahnfahren bevorzugt wird, wenn es darum geht, das eigene Auto zuhause stehen zu lassen. Fliegen ist – verhältnismäßig – günstiger und schneller.

Damit sind wir auch schon beim Individualverkehr angelangt. Auch hier gibt es einige Herausforderungen zu meistern, z.B. marode Straßen und unzureichend ausgebaute Infrastruktur. Tag für Tag stecken Tausende von Pendlern auf den Autobahnen und Straßen in und um München fest. Die bisherigen Verkehrszählungen u.a. mit Hilfe von THW und Feuerwehr an den Autobahnausfahrten sind wenig aussagekräftig. Interessant wäre die Kapazität einer Strecke, also der Durchsatz. Wie viele Leute können pro Zeiteinheit eine Fläche benutzen bzw. passieren?

Als Beispiel diente hier die Münchner Straßenbahn im Vergleich zu einem PKW. Die Tram fährt ca. alle 10 Minuten und nimmt ca. 80 Personen mit. Autos schaffen es maximal auf 4 bis 5 Fahrgäste, jedoch ist der Durchsatz trotzdem geringer, da auf entsprechenden Strecken viel mehr und viel häufiger Autos fahren können. Zudem gestaltet sich gestaltet sich das massenhafte Umsteigen in den ÖPNV schon deshalb schwierig, weil 70% aller Neuzulassungen Dienstwägen sind. Wer von seinem Arbeitgeber eine Tankkarte und einen Dienstwagen erhält, wird kaum zusätzlich Geld für ein Ticket der MVG ausgeben.

Und was den Individualverkehr in München auch nicht schneller macht: Schiene hat dort immer Vorrang vor Straße – die Tram oder der Bus werden in München immer Vorfahrt vor PKWs haben. Egal wie viele PKWs eine Kreuzung überqueren wollen. Gut für den öffentlichen Nahverkehr, schlecht für die Autofahrer. Von allen Millionenstädten der Welt hat München die wenigsten verkehrsgesteuerten Ampeln.

So wird schnell klar, dass die bestehenden Straßen dringend ausgebaut werden müssen. Die EU gibt zu Infrastrukturkosten 50% Zuschuss auf Antrag. Bayern hat in den letzten fünf Jahren keinen einzigen dieser Anträge gestellt! So verwundert es nicht, dass Bayern mehr und mehr den Anschluss verliert, im wahrsten Sinne des Wortes.

Und nicht nur Bayern. Einen Tag nach dieser Veranstaltung veröffentliche Business Insider einen Artikel, wo es sich für Zugewanderte am besten leben und arbeiten lässt. Deutschland rutschte seit 2014 im Ranking um 24 Plätze ab, auf Platz 36 von insgesamt 68 Plätzen.

Bei dem Wert für die beste digitale Infrastruktur steht Deutschland gar nur auf Platz 53 von 68. Höchste Zeit also, dass sich was ändert!


Neueste Nachrichten

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Ihren Besuch stimmen Sie der Speicherung zu.